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Die Kripo will nichts finden

 
     
 
Mitten in der schönen Stadt Lüneburg steht seit Jahrzehnten ein Obelisk. Er erinnert an die Gefallenen des Kampfgeschwaders 26 der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Auf seiner Breitseite sind die Namen der Einsatzgebiete der Flieger aufgeführt. Sprüche, die man als Glorifizierung des Krieges auslegen könnte, gibt es nicht. Der Obelisk wird gekrönt von einem bronzenen Adler. Wie es in einer bundesrepublikanischen Stadt, die in der politischen Leitung wie in der Verwaltung von Linken dominiert wird, heutzutage üblich ist, ist das Ehrenmal seit geraumer Zeit Zielscheibe von Sudeleien und Beschädigungen. Mit Spitzhacken und schweren Hämmern hat man nächtens versucht, das Denkmal zu beschädigen. Die Täter werden von der Lüneburger Landeszeitung liebevoll „Mauerspechte“ genannt. Sinnlose Parolen wie „Nie wieder KZ’s!“ oder „Kampf dem Krieg!“ drücken nicht mehr als Zerstörungswut aus. Wer an Volkstrauertagen oder aus anderen Anlässen Kränze und Blume
n zur Erinnerung an die Gefallenen niederlegt, ist in Lüneburg fast immer Beschimpfungen und Angriffen ausgesetzt. Nicht selten werden die Kränze hinterher zertreten oder verschleppt. Jetzt hat der Vandalismus einen Höhepunkt erreicht. Am ersten September-Wochenende wurde der große Bronzeadler, der das Ehrenmal krönte, von Unbekannten demontiert und gestohlen. Natürlich sind Polizei und Staatsanwaltschaft wieder einmal hilflos, obgleich die Täter schweres Gerät wie Lastkran und LKW benutzt haben dürften, um den schweren Adler aus seiner Höhe herunterzuholen. Keine Streife hat etwas bemerkt, und das mitten in der Stadt!

Der Stadtdirektor (SPD), Peter Koch, benutzt offenbar die Gelegenheit, um Gründe zu finden, das Ehrenmal ganz und gar abzureißen. Er klagt scheinheilig, es müsse zu oft gereinigt werden, was „unglaublich viel Geld verschlingt“. Diese Ausgaben könne man sich nicht mehr erlauben. Er stellt die Frage, „ob das Ehrenmal dauerhaft überhaupt auf Akzeptanz in der Bevölkerung stößt“. Mit vorgeschobener Besorgnis fragt er, ob das Mal überhaupt noch stabil steht oder nicht vielmehr eine Gefahr für Besucher sei.

Die Veröffentlichung in der Lüneburger Landeszeitung rief eine große Zahl von Briefen empörter Leser hervor. Da wurde Stadtverwaltung, Polizei und Staatsanwaltschaft vorgeworfen, sie habe „offensichtlich vor dem linken Mob kapituliert“. Es wird gefragt, was man wohl in Berlin sagen würde, wenn man dort mit dem Einwand, Denk- und Mahnmale erforderten zuviel Aufwand für Bewachung, verlange, daß man auf sie verzichten müsse. Die Stadt Lüneburg wird verdächtigt, sie habe nur „auf eine passende Gelegenheit gewartet, um das Mahnmal zu demontieren“. Lediglich ein Leserbriefschreiber sah es anders. Nach seiner Ansicht läßt die Denkmalschändung auf eine Jugend schließen, die „zu Hoffnung Anlaß gibt“, und das besonders im Hinblick auf „die deutschen Großmachtambitionen auf dem Balkan“. Wie sich innerhalb weniger Jahre das Verhältnis des offiziellen Deutschland zu den Toten der Weltkriege verändert hat, zeigt ein Blick etwa in den Bericht über die Totenehrung 1996 beim Jagdgeschwader 73 in Geisenheim. Damals legten Vertreter britischer, ungarischer und sowjetischer Jagdflieger Kränze am Ehrenmal für die gefallenen deutschen Kameraden nieder. Ein Luftwaffen-Musikkorps spielte das Lied vom guten Kameraden und der Generalleutnant der Bundesluftwaffe Mende bekundete „das Traditionsbewußtsein der jüngeren Fliegergeneration und die Achtung vor den toten Fliegern aller Nationen“. Inzwischen ist Deutschland weiter verlumpt. Gelobt werden jene, die das Andenken an unsere Gefallenen besudeln. Das Lied von guten Kameraden gilt als „Nazi-Hymne“. Und offizielle Stellen sind bemüht, Ehrenmale aus den Stadtbildern zu entfernen. Wie wird man mit dem Andenken an gefallene Bundeswehrsoldaten umgehen, falls aus ihren Einsätzen einmal Ernstfall wird? Martin Lüders

 
     
     
 
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