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Eine Bank kehrt heim

 
     
 
Die "Gewerkschaftsbank" BAWAG (Bank für Arbeit und Wirtschaft), die zuletzt zu 46 Prozent der Bayerischen Landesbank (BLB) gehörte, wird wieder rein österreichisch: Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) kauft der BLB ihre Anteile ab und wird Alleineigentümer. Die einvernehmliche Lösung war abzusehen, denn die Bayern wollten die ganze Bank übernehmen - was der ÖGB nicht wollte. Und der ÖGB seinerseits hatte ein Vorkaufsrecht auf den Bayernanteil.

Die Transaktion wird in Österreich allgemein positiv gesehen, von den Gewerkschaftern sowieso. Von deren Gegnern aber ebenfalls - in der Hoffnung, daß der respektable (nicht verlautbarte) Kaufpreis den ÖGB veranlassen wird, die zuletzt gestiegene Streikfreudigkeit zu dämpfen. (Pflichtgemäß betonte natürlich der ÖGB-Präsident, daß der ÖGB "voll aktionsfähig" bleibe.) Außerdem haben alle das Negativbeispiel mit Bank Austria
und HypoVereinsbank vor Augen. Und schließlich gibt es trotz aller Umerziehung noch Reste von Patriotismus - in Arbeiterkreisen oft deutlicher ausgeprägter als im bürgerlichen Lager.

Daß die BAWAG "heimkehrt", hat aber nicht nur emotionale Bedeutung: Sie ist immerhin die viertgrößte Bank des Landes. Darüber hinaus lassen sich anhand der Vorgeschichte manche Entwicklungen und Fehlentwicklungen, richtige und falsche Vorurteile sowie drohende Probleme der Osterweiterung durchschauen.

Vor gut einem Jahrzehnt, also noch während der rot-schwarzen "großen" Koalition und vor dem EU-Beitritt Österreichs, hieß es plötzlich, österreichische Unternehmungen seien "zu klein", um in der Globalisierung bestehen zu können. Eine unsichtbare Macht schien die Parole ausgegeben zu haben, daß man "strategische Partner" suchen müsse. Besonders richtete sich der Appell an alle staats- und politiknahen Unternehmen, die zur "Privatisierung" anstanden. Auch an der BAWAG, die 1922 als Bank der Gewerkschaften und Konsumvereine gegründet worden war, ging dies nicht spurlos vorüber. Denn nachdem der "KONSUM" 1995 zahlungsunfähig geworden war, übernahm die BLB dessen Minderheitsanteil (31 Prozent) an der BAWAG - und der ÖGB verkaufte den "schwarzen" Bayern noch weitere 15 Prozent aus seinem Mehrheitsanteil.

Wie unterschiedlich "die Roten" wirtschaften können, zeigt sich gerade an der KONSUM-Pleite einerseits und an der BAWAG andererseits, die bei Personal- und Verwaltungsaufwand immer schon sparsamer war als die anderen Banken. Vor vier Jahren erwarb die "private" BAWAG im Zuge der "Privatisierung" von der Republik Österreich die Postsparkasse mit ihrem alle Postämter umfassenden Filialnetz. Unter anderem ist die BAWAG heute auch mit 20 Prozent an der Österreichischen Nationalbank und mit 34 Prozent an den Österreichischen Lotterien beteiligt.

Selbst "der kleine Mann" beginnt zu begreifen, daß eine "strategische Partnerschaft" meist nur Vorstufe zur Übernahme ist und daß Übernahmen mit "Einsparungen", sprich mit Entlassungen verbunden sind. Daß sich überhastete "Privatisierungen" oft auch als Verschleuderung von Volksvermögen entpuppen, sorgt sogar in hochentwickelten Ländern für böses Blut - und in Osteuropa bringt es den Kommunisten neuen Zulauf.

Die Österreicher mag es trösten, daß etwa die Telecom Italia ihre 25 Prozent Anteil an der Telekom Austria mit großen Verlusten wieder an Österreich zurückverkaufte, doch schon sind die Schweizer am Drücker, und die österreichische Post soll an die Deutsche Post gehen. Enormen nationalistischen Konfliktstoff birgt vor allem der "Ausverkauf" Osteuropas. Und während in den Augen der Osteuropäer deutsche und österreichische Firmen führend sind, ahnt man gar nicht, daß hinter diesen Firmen noch "westlichere" Finanzkreise stecken oder bald schon stecken könnten ... RGK

 
     
     
 
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