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Er begann gleich mit Napoleon: ",Ic fürchte drei Zeitungen mehr als hunderttausend Bajonette. Dieser Ausspruch de Korsen ist verbürgt. Die Bajonette finden irgendwann einmal in ihre Scheiden zurück, die Zeitungen aber hetzen weiter, hinterhältig wie Heckenschützen. Kein Krieg ist für si je zu Ende. Vergangene Zeitalter lebten weit glücklicher ohne sie." "Auch d spielten nach Friedensschluß die Intrigen unbeirrt von Hof zu Hof weiter", wandt der auf dem Fuchs ein. "... blieben aber Sache einiger weniger, die der Höflinge Diplomaten, Kardinäle. Der kleine Mann wurde davon nicht berührt. Europa blieb ein große Familie, oben wie unten." "Politik war eben eine Sache der Fürsten. Woh wurde sie auf dem Rücken der Völker ausgetragen, aber ohne deren Beteiligung. Jetz führen sie selbst ihre Kriege mit entsprechenden Opfern , ein Errungenschaft der Französischen Revolution." "Und mit einem Höchstaufwand a Lügen." "Je mehr Gewalt, um so mehr Lügen." "Gewalt gab e immer." "Auch die Lüge." "Aber nicht als weltbewegende Kraft. We heute die Hand am Hebel hat, wer über Rundfunk und Presse verfügt, kann uferlos Rufmor betreiben, kann jede Wahrheit verfälschen, sie mehr und mehr aus dem Bewußtsein de Menschen verdrängen und schließlich vollends vergessen machen. Daß Lügen kurze Bein haben, das war einmal. Lügen, die man aller Welt vorsagt, Tag für Tag, wieder un wieder, werden mit der Zeit zur anerkannten, ja unantastbaren Wahrheit. ,Have a lie an stick to it, sagen die Engländer, ,lüge nur drauflos und bleib dabei! Etwa bleibt auf jeden Fall hängen. Siehe seit 1914 die Legende von unserer alleinige damaligen Kriegsschuld! Briten und Amerikaner glauben noch heute daran." "Einma kommt die Wahrheit trotzdem zutage!" "Mag sein für die Wissenschaft. D vielleicht kommt sie dann gerade rechtzeitig, politisch aber zu spät, zu spät für die jeweils Besiegten. Denn auch die Geschichte schreiben zunächst einmal die Sieger, und da gleich mit für die Schulbücher womöglich aller noch folgenden Geschlechter." "Auch Schulbücher veralten. Neue Kriege warten mit neuen Lügen auf." "Warten auf, sagst du? Sie werden durch sie gewonnen, zur guten Hälfte mit Lüge gewonnen. Nichts kann ihnen wehren außer der eigene Sieg. Der aber muß bis in die Redaktionsstuben des Gegners durchschlagen." "Siegt dann die Wahrheit?" "Kaum ohne Nachhilfe, Du irrst, wenn du meinst, um Lüge zu widerlegen, bedarf e keiner Gewalt. Auch da geht die Welt lieber mit den stärkeren Bataillonen als mit de besseren Argumenten. Wenn schon nicht gleich mit beiden."
Heinrich Jordis von Lohausen
"Reiten für Russland Gespräche im Sattel", Stocker Verlag |
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